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1. Die erste Erwähnung des Rennens
1990

Am Weihnachtsgrandprix in Würenlos mit Ruedi Wild habe ich - das war 1989 oder 1990 - Gilbert Glaus getroffen. In jenem Jahr hat er das Rennen gewonnen. Total konsterniert über die Frage nach der Distanz sagte er, das sei nicht so schlimm, es wären ja nur zwei lange Tour de France Etappen am Stück. Danach habe ich das Rennen für längere Zeit wieder vergessen.


2. Die zweite Erwähnung
Sommer 1998

Thomas Lang, ein Arbeitskollege meinte ob meiner Erzählungen vom Velofahren, Trondheim-Oslo, das wäre doch etwas für mich Spinner. Er versprach mir einen Zeitschriftenartikel. In der Zwischenzeit überlegte ich mir, was es bedeuten würde, 540 km am Stück auf dem Velo zu sitzen. Er brachte mir den Artikel nach längerer Zeit mit. Das Virus hatte mich bereits infisziert Ich schaute mal eine Karte näher an, um eine Grössenordnung der Distanz zu erhalten. 540 km entspricht doch etwa Zürich-Frankfurt oder 8 mal um den Zürichsee !!!


3. Erste Informationen sammeln
Herbst 1998

Der Zeitschriftenartikel wurde gelesen, erste Gehversuche im Internet unter www.Styrkeproven.com wurden gemacht. Dort war zwar noch die Ausgabe 1998 drin, aber die Teilnahme war in meinem Kopf bereits beschlossen. Es galt nun die Saison zu planen, ist doch der Termin recht früh. Ich sagte mir, dass 3500 km als Trainingsbasis ausreichen sollten. Normalerweise hatte ich aber immer erst Ende Saison so viele Kilometer. Also: Früh im Jahr (Februar oder März) mit dem Training beginnen.


4. Erste Konkrete Vorbereitungen
Winter 1998

Es galt nun, das Training und die Voraussetzungen dafür zu planen. Es war mir klar, dass ich eine Woche Velotraining in Spanien absolvieren musste. Es wurde aber schwierig, da ich vor hatte per 1. Februar innerhalb der ‚Zürich' eine neue Stelle anzutreten (was dann allerdings nicht klappte). Es gelang mir aber trotzdem eine Woche Ferien im März zu erhalten.
Um im kalten Wetter trainieren zu können, musste Thermokleidung beschafft werden (Hose, Jacke, Handschuhe, warme Schuhüberzüge). All diese Sachen habe ich mir dann als Weihnachtsgeschenk von Käthy gewünscht.


5. Das Training beginnt
März 1999

Ich ging daran, Trainingspläne auszuarbeiten. Ich stellte mich auf drei Varianten ein. Das Minimum waren 3000 km bis zum Start, das Maximum waren 4800 km. Der Trainingsbeginn war auf Februar festgelegt worden. Wegen des schlechten Wetters konnte ich aber erst im März beginnen. Die ersten Fahrten bei Dunkelheit waren mühsam und ich hatte keine Kraft. Eine Stundenfahrt Richtung Rapperswil brachte mich meistens nur bis zur Abzweigung ‚Industrien Laubisrüti'. Dazu kam, dass ich die Wochenenden nicht zur Verfügung hatte, da immer noch Skisaison war, und ich gewisse Opfer bringen wollte, aber doch nicht gewaltige Opfer. Nun ja, es gelang mir bis Mitte April ca. 800km zu fahren, so dass ich einigermassen gut vorbereitet nach Spanien fliegen konnte.


6. Das Treffen mit Peter Uggowitzer
Februar 1999

Durch die Vermittlung von Hansueli Kaufmann traf ich mich im Februar mit Peter Uggowitzer. Er nahm von einigen Jahren am Rennen teil, und ich er gab mir wertvolle Informationen. Er nahm auch meine Ängste wegen dem Wetter. Er meinte, dass bei schlechtem Wetter die anderen 3000 Teilnehmer auch frieren würden. Er riet mir auch davon ab, ein Begleitfahrzeug mitzunehmen. Die Qual der Fahrer sei grösser als die des Velofahrers. Also entschloss ich mich mit Rucksack zu fahren.



7. Der Entschluss zur Anmeldung
Ende März 1999

Der Entschluss stand fest. Via Internet (erledigt durch Heinz Weber) meldete ich mich Ende März an. Von nun an gab es keinen Weg zurück mehr. Das Ziel war klar! Das gezielte Training gemäss meinen Trainingsplänen konnte beginnen.


8. Die Trainingswoche in Spanien
April 1999

Ich hatte mich schon vor Weihnachten über die diversen Angebote informiert. Nach längeren Überlegungen entschloss ich mich für eine Woche an der Costa Brava mit Tony Rominger und Wolfram Lindner. Ich meldete mich für die zweithöchste Kategorie ‚Marathon' an. Ich nahm mein Velo nicht mit, sondern fuhr in Spanien mit ein Villiger-Mietvelo. Das Programm sah 5 Trainingstage mit einem Ruhetag nach zwei Tagen vor. Das Wetter war sehr heiss. Schon am ersten Tag hatte ich mit meiner Gruppe grosse Mühe. Sie fuhren zu schnell. Ab dem zweiten Tag für ich mit der Gruppe ‚Sport'. Dort lief es sehr gut. Insgesamt fuhren wir ca. 700km.

9. Die härtesten Trainingsphasen

Nach Spanien war ich nun für die längeren Fahrten vorbereitet und konnte auch Pässe in Angriff nehmen. Es folgten Fahrten bis zu 270km. Auf den langen Fahrten lernte ich, dass ein Kleiderwechsel - vor allem die Hosen - wichtig ist. Das bedeutete, dass ich den Rucksack sehr voll haben würde. Die Form wurde von Woche zu Woche besser. Ich hatte immer mehr Kraft und konnte je länger je mehr grosse Gänge treten. Auch das Bergfahren fiel mir immer leichter.


10. Sorgen und Nöte

Einige Probleme stellten sich bei der Vorbereitung und konnten nur zum Teil gelöst werden. Da war einmal mein linkes Knie. Beschwerden traten oft auf und ich konnte deshalb das Trainingsprogramm nicht immer voll durchziehen. Die Schmerzen traten vor allem nach Fahrten in der Ebene mit grossen Gängen auf. Es war jedoch nie so schlimm, dass die Teilnahme in Frage gestellt wurde. Das zweite Problem waren die Füsse bei nassem und kaltem Wetter. Diesbezüglich nützte auch der Kauf von Thermosocken nichts, diese hielten ihre Versprechen nicht. Wahrscheinlich wird das Beste sein, die Füsse mit Plastiksäcken zu umhüllen.


11. Die Reisevorbereitungen

Die Anreise nach Trondheim wollte auch geplant sein. Flüge und Hotel waren kein grosses Problem. Einzig erhielten wir in Trondheim das gewünschte Hotel nicht. Für Käthy habe ich via Internet einen Flug von Trondheim nach Oslo gebucht. Bei Roland Vögeli habe ich früh einen Transportkoffer reservieren lassen, damit das Velo Trondheim unbeschädigt erreichen wird. Damit wir unterwegs miteinander in Kontakt bleiben können, werden wir zwei Handy mitnehmen. So ist auch sichergestellt, dass Käthy bei der Zielankunft sein wird und mich wird fotografieren können. Für Aufnahmen unterwegs habe ich noch eine Einwegkamera dabei.

12. Die Tage davor

Die Wetteraussichten von Dienstag

Und vom Donnerstag



Auf der letzten Trainingsfahrt ging noch der Schnellspanner am Hinterrad kaputt. Gut war das Velo zur Reparatur angemeldet. Nach Rücksprache mit Roland Vögeli entschied ich mich für etwas breitere Reifen.

13. Die Anreise

Am Tag der Anreise ist endlich das Programm eingetroffen. Wir hatten einen sehr späten Flug gebucht. Abflug in Zürich um 19.30, via Kopenhagen nach Trondheim, Ankunft um 23.30. Dort war es immer noch taghell und die Sonne war noch nicht untergegangen. Mit dem Bus zum Hotel, wo uns leider ein sehr kleines Zimmer erwartete, welches zudem noch sehr warm war. Gut geschlafen habe ich in beiden Nächten in Trondheim nicht. Am nächsten Morgen sind wir dann etwas die Stadt anschauen gegangen. Am Nachmittag habe ich noch eine Kleine Ausfahrt (ca. 2 Stunden) unternommen. Dem Streckenprofil entnahm ich, dass bereits zu Beginn eine Steigung von ca. 150m zu überwinden war, die nicht ‚budgetiert' war. Am Abend haben wir dann noch die Startnummer und den Zeitnehmer-Chip abgeholt. Am Abend haben wir dann noch sehr grosszügig gegessen. In Trondheim blieb wenig Zeit, um die Stadt anzuschauen




14. Das Rennen
Start

Der Start war also um 09.30 vorgesehen. Ich bin um 06.30 aufgestanden und habe sehr ausgiebig gefrühstückt. Dann habe ich meine Verpflegung bereitgemacht. Es waren dies:

16 Roastbeefsandwiches
8 Nutellasandwiches
16 Reiskuchen
14 Energiebarren
4 Tuben flüssige Kohlehydrate
6 Beutel Getränke (Isostar und Sponser)

Ich machte mich also bereit:



Ich packte den Rucksack. Dieser war an der oberen Grenze des Gewichtes. Die Starvorbereitungen waren einfach. Man stellte sich auf und alle 5 Minuten wurden 75 Fahrer auf die Strecke geschickt. Innerhalb Trondheims war die Strecke durch die Polizei abgesichert. Dann ging es auf die E6. Diese Strasse ist normalerweise für Fahrräder gesperrt. Für den Store Styrkeproven gilt aber eine Ausnahme. Kurz nach Trondheim erschien das Schild ‚Oslo: 534 km!!!!'. Es war also noch viel zu tun.



Bis zum Hjerkinn



Bis zur ersten Verpflegungsstation ging es recht gut. Ich machte dort nur eine kurze Pause um die Bidons zu füllen. Dann ging es weiter nach Oppdahl, welches nach der ersten Steigung lag. Auf diesem Abschnitt hatte ich die erste Krise. Irgendwie lief es schlecht und ich fühlte mich bis Oppdahl nicht gut. Dort machte ich eine etwas längere Pause. Leider begann es dort zu regnen. Also: Regenschutz anziehen. Es regnete kontinuierlich bis zur Passhöhe auf Hjerkinn. Die Steigung ging eigentlich gut und ich erreichte ein Ziel (die ersten 160km in 6 Stunden) locker. Auf diesen Abschnitten konnte ich mich immer wieder einer Gruppe anhängen. Auf der Passhöhe war es sehr kalt und ich habe die Socken gewechselt, die Neopren-Schuhüberzüge und die Neopren-Handschuhe angezogen. Ebenso habe ich die Beinlinge montiert. Beide Kleidungsstücke haben sich sehr gut bewährt und die grosse Angst vor dem Regen verging, da ich keine kalten Füsse bekam. Danach ging es weiter. Zuerst auf dem Hochplateau noch ca. 15 km bis zur Abfahrt. Auch der Regen liess etwas nach. Bis zum nächsten Halt in Dovreskogen lief es optimal, mein Durchschnitt lag nun über 28.5km/h und das mit dem Pass!

Distanzangabe vor Garli



Das Problem war das Essen. Mit den Neopren-Handschuhen konnte ich während des Fahrens nicht essen, da ich zu wenig Gefühl in den Fingern hatte. Also musste ich in den Pausen essen !.


Bis Lillehammer

Es folgte nun der angenehmste Abschnitt, Ca. 200km flach bis leicht abfallend nach Lillehammer. Zum Glück war stets leichter Rückenwind. Es ging sehr gut. Durch den Wind war es nicht unbedingt nötig, eine Gruppe zu suchen. Das Problem wurde allerdings mein Magen. Er begann komisch zu zucken und ich bekam Angst vor grösseren Problemen. Ich trank für eine Weile nur noch Wasser anstelle von Isostar. In Lillehammer angekommen war es dunkel. Dort habe ich mich dann umgezogen. Alles trockene Kleider angezogen und dafür eine Pause von beinahe einer halben Stunde gemacht. Ich war nun bereits während 14 Stunden 40Minuten unterwegs. Die Reine Fahrzeit betrug 12:52, was einem Durchschnitt von immer noch 28.3 Km/h entsprach. Nun begann Neuland. Es waren im noch 180km zu fahren und ich war dich bereits über 15 Stunden unterwegs. Was kam noch ?

Leiden bis ins Ziel

Ich fuhr also in die Nacht hinaus. Es begann nun ein mehrere Stunden dauernder Kampf gegen das Einschlafen. Zudem wurde die Strecke sehr wellig. Es waren nun bis Oslo noch über 1000 Höhenmeter zu bewältigen. Zur Höhe: Gemäss Ausschreibung sind es 1500m Aufstieg. Effektiv sind es aber über 3000m !!! Mein Durchschnitt sank und sank. Lange aber flache Aufstiege machten die Fahrt sehr mühsam. Die Kraft schwand. Zudem bekam ich Probleme mit dem Essen und Trinken. Alles schmeckte fürchterlich. Zudem musste ich auch nach kleinem Wasserkonsum immer wieder schiffen. Ich würde es nicht als Hungerast betiteln. Es war die Distanz. Die Pausen an den Verpflegungsstationen wurden länger. Mein Ziel war nun, die Fahrt in 24 Stunden zu beenden, Na ja, am Schluss hat es dann um 12 Minuten nicht gereicht. Auch der Rücken begann zu schmerzen. Die letzen 50km waren dann noch sehr hart. Ich musste noch einige kleinere Pausen einlegen. Ich war aber nicht der Einzige der zu Leiden hatte. Es hatten alle Fahrer grosse Mühe. 30km vor dem Ziel begann es dann wieder stark zu regnen. Am Sonntagmorgen um 09:40 erreichte ich das Ziel.


15. Der Tag danach

Nun ja, es tat mir so ziemlich alles weh. Zuerst habe ich mal einige Stunden geschlafen. Am schlimmsten waren beide Knies. Sie schmerzten sehr. Auch die Oberschenkel waren ziemlich sauer. Mein Hintern hatte einige Druckstellen. Das Resultat davon war, dass ich mit Velohosen nach Hause flog. Diese haben an den empfindlichen Stellen keine Nähte! Ansonsten war aber mein Zustand recht gut.


16. Erfahrungen

Die Vorbereitung war gut, es fehlten aber einige Details. Der Entscheid ohne Begleitfahrzeug zu fahren war o.k. Allerdings drückte der Rucksack schon ein bisschen. Ich war zu wenig diszipliniert mit dem Essen - es gilt aber zu bemerken dass es sehr schwierig ist während 24 Stunden dauern zu essen. Im weiteren habe ich das Streckenprofil nicht mitgenommen. So wusste ich nie genau, wie weit es bis zur nächsten Verpflegungsstation war. Die grosse Sorge wegem dem Regen war unbegründet. Mit der richtigen Ausrüstung war auch der Regen zu überstehen. Ich bekam nie kalte Füsse oder kalte Hände. Wahrscheinlich nehme ich noch einmal Teil. Ich wusste zu Beginn, dass 540km mit dem Velo kein Vergnügen würden. Sooo schlimm war es allerdings nun auch wieder nicht.